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Petra Köpping & Boris Pistorius

© Werner Schüring

ASF- Videoantwort Petra Köpping & Boris Pistorius

Die SPD als Treiberin in Sachen Gleichstellung

Welche 3 Themen hat sie in den letzten Jahren aus Deinem/Eurem Blick mit Erfolg vorangebracht?

  1. Wir haben kein Erkenntnisproblem mehr. Wir wissen um die Ungleichheit aus verschiedenen Gründen immer noch tief verankert ist. Weil Frauen im Westen lange in Abhängigkeit vom Ehemann standen und Frauen im Osten gebrochenen Wendebiografien haben. Dann übernahmen sie oft schlechtbezahlte Jobs und das hat sich bis heute gehalten. Wir wissen, dass auch Arbeitsmarktpolitik Gleichstellungspolitik ist. Der Mindestlohn dient der Gleichstellung, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint.
  2. Frauen kümmern sich immer noch überdurchschnittlich oft um Kinder und Angehörige. Das löst sich auf, dank Elterngeld und der Tatsache, dass auch Männer das Modell des einsamen Familienernährers als zunehmend unattraktiv empfinden. Aber das geschieht nur sehr langsam. Es war daher richtig eine Brückenteilzeit und also auch eine Rückkehr in Vollzeit einzuführen.
  3. Die #metoo Debatte hat eines geschafft: Sie hat das Thema Belästigung ganz nach oben auf die Agenda gesetzt und das war nötig. Wir sehen an den Reaktionen, wie quer das Frauenbild einiger ist. Das war mindestens genauso wichtig, wie die konkrete Reform des Sexualstrafrechtes im Jahr 2016.


Gleichstellungspolitische Prioritäten

Welche drei Themen im Bereich der Gleichstellung wirst Du/werdet Ihr als erstes nach der
Wahl anpacken und voranbringen?
Zuallererst müssen wir Gleichstellung leben und zwar in der Partei. Nicht die lautesten Männer sollen sich durchsetzen, sondern diejenigen die sich kollegial im Team einbringen. Mehr Doppelspitzen, auf allen Ebenen der (Partei)Politik können ein wichtiger Beitrag sein. Wir brauchen auch eine „harte Quote“. Das Parité Gesetz aus Brandenburg kann ein gutes Vorbild für uns sein.


Gleichstellungsthemen als Gradmesser der Demokratie

Wo bedroht aus Eurer/Deiner Sicht, mangelnde Gleichstellung die Demokratie in Deutschland derzeit ganz besonders?
Es gibt viele, die die Zeit gerne zurückdrehen wollen, die nie aus dem Frauenbild der 50er Jahre herausgefunden haben. Gerade als noch amtierende Staatsministerin für Gleichstellung in Sachsen beobachte ich die Entwicklung mit Sorge. Überall dort, wo antidemokratische Kräfte wie die AfD erstarken und in den Parlamenten vertreten sind, wird ein massiver Kampf gegen Gleichstellung geführt. Auch, wenn sich die Partei auf Bundesebene hinter einer Doppelspitze versteckt zeigen
die Inhalte der Anträge, Anfragen, Gesetzesinitiativen deutlich: Gleichstellungsarbeit soll abgeschafft und Gelder für Gleichstellungspolitik gekürzt werden. Wenn diese Haltung wieder tief in unsere Gesellschaft einsickert, wirft uns das um Jahrzehnte zurück.


§219a

Die ASF steht für die ersatzlose Streichung dieses Paragraphen. Und Ihr/Du?
Da gibt es bei uns keine zwei Meinungen. Natürlich gehört der Paragraph ersatzlos gestrichen.
Der Kompromiss, der gefunden wurde, ist keiner. Der §219a untergräbt das Selbstbestimmungsrecht der Frauen, denn sie dürfen sich nicht ungehindert informieren. Frauen, die vor einer solch schwierigen Entscheidung stehen brauchen all unsere Unterstützung und unsere Solidarität und keine Gängelung.


Frauenwahlrecht – Quote – Parité!

Deine/Eure Gedanken zum feministischen Dreisprung.
Auf die Plätze – fertig – los!


Die SDGs als Basis unserer Politik

Deine/Eure Ideen zum Ziel Nr. 5 der Ziele für Nachhaltige Entwicklung (SDGs).
Frauen und Mädchenrechte sind Menschenrechte. Sie sind universell. Und das sollten wir auch im Blick haben, wenn wir die zweifelsohne immer noch ungelösten Probleme der Geschlechtergerechtigkeit eines reichen Industriestaates debattieren. Wenn wir das Ziel Nr. 5 betrachten, geht es oft erst einmal um ganz wesentliche Punkte, wie den gleichen Zugang zu Bildung für Mädchen, um die gleiche
medizinische Versorgung, um das Recht auf ein Leben in Sicherheit und Freiheit und vieles mehr.


Care-Arbeit und Kehr-Arbeit

Wie ist Dein/Eurer Plan, diese unbezahlten Arbeiten endlich auf die Schultern von Frauen und Männern gleichermaßen zu verteilen?
Care-Arbeit darf nicht mehr hinter den heimischen Türen in der Unsichtbarkeit verschwinden. Es muss thematisiert werden, dass es sie gibt und dass sie erledigt werden muss. Da hilft es wenig, dass Männer gelobt werden, wenn sie mal zwei Monate Elternzeit nehmen. Die Zeitverwendung zwischen den Geschlechtern muss konsequent erfasst und thematisiert werden – wer hat wieviel Freizeit, wer verbringt wieviel Zeit mit den Kindern etc. Auch hier ist die Forderung nach Parité die logische Konsequenz.


Gewalt ist nie privat

Was ist aus Eurer/Deiner Perspektive umgehend zu tun?
Opfer häuslicher Gewalt sind in der großen Mehrheit Frauen (und ihre Kinder). Unser Netz zur Bekämpfung häuslicher Gewalt ist noch weit entfernt davon, flächendeckend vorhanden und auskömmlich finanziert zu sein. Hier muss es einen Rechtsanspruch geben, um wirkungsvoll voranzukommen. Die Istanbul-Konvention stellt eine breite Palette von Forderungen auf, die in Deutschland (noch) nicht umgesetzt werden. Hier geht es um Ausweitung der Beratungs- und Hilfsangebote, um barrierefreie Zugänge, um die Sensibilisierung von Polizei, Justiz, Jugendämtern etc. und vor allem um deutlich mehr Geld für das System.


Innerhalb der SPD

Ist für Dich/Euch die Gleichstellung bei uns erreicht? Wenn nicht, was bleibt zu tun?
Natürlich ist sie das nicht. Wir können uns als SPD zurücklehnen, wenn Doppelspitzen Standard sind, unsere Mandate selbstverständlich hälftig an Frauen und Männer gehen, unsere Mitgliedschaft ein breiter Spiegel der Gesellschaft ist und wir nicht mehr die Nase rümpfen, wenn eine Genossin in eine herausgehobene Position nach zwei Monaten Elternzeit zurückkehrt, während ein Genosse nach ebenso langer Elternzeit als großer Held gefeiert wird.


Etwas Lockeres zum Schluss

Drei Satzanfänge bitte kurz beantworten:
a. Feminismus ist für mich
... for lovers.
b. Ein Mann gehört... an den Herd.
c. Feminismus ist (hoffentlich irgendwann) Schuld am... Ende des Patriarchats.